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Adventskalender – Tag 8

Das Reich Gottes ist mitten unter uns

Wenn wir heute einem Menschen, der nichts vom christlichen Glauben weiß, erklären wollen, was es damit auf sich hat, sagen wir meist, dass Jesus Christus auf die Welt gekommen ist, für uns am Kreuz gestorben und am dritten Tag auferstanden ist. Oder wir sprechen von der Liebe Gottes, die bedingungslos allen Menschen gilt. Alles gut und richtig! Jesus selbst hat etwas anderes gepredigt: bei ihm stand in allem, was er gesagt und getan hat, das Reich Gottes im Mittelpunkt. Immer wieder erklärt er in Gleichnissen, wie das Reich Gottes ist. Das Reich Gottes ist wie ein Schatz, den jemand in seinem Acker findet (Matth. 13, 44), oder wie eine kostbare Perle, für die ein Kaufmann alles verkauft, was er hat (Matth. 13, 46). Es ist wie ein Senfkorn, das erst klein ist, aus dem aber ein großer Strauch wächst (Markus 4, 30-32), oder wie der Sauerteig, von dem eine kleine Menge den ganzen Teig durchsetzt (Matthäus 13, 33).
Im Reich Gottes ist nicht alles wie bei uns, zum Beispiel sieht da Gerechtigkeit anders aus, als wir es gewohnt sind (Matthäus 20, 1-16). Jesus erklärt, wie man ins Reich Gottes hineinkommt: zum Beispiel indem wir werden wie die Kinder (Markus 10, 15) und wie schwer es dagegen die Reichen haben (Markus 10, 23). Er verheißt denjenigen das Himmelreich, die geistlich arm sind (Matth. 5, 3) oder die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden (Matth. 5, 10). Am Anfang des Gebetes, das Jesus seine Jünger gelehrt hat und das wir bis heute beten, steht die Bitte: „Dein Reich komme!“ (Matth. 6, 10). Jesu Denken ist also ganz auf das Reich seines himmlischen Vaters ausgerichtet. Dabei ist das keine bloße Vertröstung auf etwas, was uns irgendwann in ferner Zukunft bevorsteht. Vielmehr sagt Jesus: „Denn sehet, das Reich Gottes ist mitten unter euch!“ (Lukas 17, 21). Als Johannes der Täufer Jesus fragen lässt, ob er der verheißene Messias sei, antwortete er: „Geht und verkündet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf, Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht ärgert an mir.“ (Lukas 7, 22.23) Das heißt: Jesus heilte Kranke, ließ Blinde wieder sehen und Gelähmte gehen, er machte Aussätzige rein, erweckte Tote wieder auf und kümmerte sich um Arme und andere Menschen am Rande der Gesellschaft. Mit seinem Handeln bewirkte er, dass Zeichen des anbrechenden Reiches Gottes schon zu seinen Lebzeiten sichtbar wurden.
Das ist Leben in Erwartung: einerseits warten auf das Reich Gottes, das in seiner Perfektion eines Tages kommen wird, aber schon jetzt und hier alles tun, damit es sichtbar wird und sich immer weiter in der Welt ausbreitet. Das ist Advent: leben in Erwartung dessen, was kommt, und sich schon jetzt dafür einsetzen, dass es heute schon wirksam wird! Nun können wir nicht wie Jesus Kranke heilen und Tote auferwecken. Aber wir können uns für Gerechtigkeit einsetzen, uns um Arme oder andere Bedürftige kümmern, unsere Umwelt bewahren. Kurz: wir können Gottes Liebe in die Welt hinein tragen, wo auch immer wir gerade stehen – irgendwelche Möglichkeiten finden wir dazu alle, wenn wir sie sehen und wahrnehmen wollen. Lasst uns in diesem Sinne Advent feiern: uns auf die Vollendung des Reiches Gottes freuen und jetzt schon alles uns Mögliche tun, damit es sich in dieser Welt ausbreitet!

Karin Weishaupt