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Adventskalender – Tag 10

Der Asylbewerber 

Unzählbar fast sind die Berichte 
in den Annalen der Geschichte 
von Menschen, die in großen Scharen 
zur Umsiedlung gezwungen waren. 

Den Grund, das muss man nüchtern sehen, 
gelegentlich wir kaum verstehen. 
Nicht selten ist ihr Land bedroht 
durch Krankheit, Krieg und Hungersnot. 
Doch oft flieh‘n sie als Reaktion 
auf Einschränkung der Religion. 
Und das verstehen wir sehr gut, 
zum Zeitvertreib das keiner tut. 

Es sind die Nöte, die sie treiben 
für immer Fremdlinge zu bleiben. 
Vor allem Friede, Freiheit, Leben 
sind Dinge, wonach alle streben 
und die sie unbeirrt verfechten; 
sie zählen zu den Menschenrechten. 

Zu unsrem Land sich sagen ließ: 
Auch hier ist nicht das Paradies; 
doch weiß man, dass zumindest Frieden 
ist der Bevölkerung beschieden – 
auch wenn, und das spürt jedermann, 
sich jederzeit das ändern kann. 

Nun wird erwartet, dass wir teilen 
mit denen, die bei uns verweilen. 
Jedoch im Großen und im Ganzen 
geht‘s weniger um die Finanzen – 
obschon sich die, bei unsren Preisen, 
als äußerst vorteilhaft erweisen. 

Es geht dabei vor allen Dingen, 
um Werte, die uns weiter bringen 
und meist bewirken einen Wandel – 
erhältlich sind sie nicht im Handel. 
Man wartet auf ein kleines Stück 
von Freundschaft, Hoffnung oder Glück; 
dass Liebe wir entgegenbrächten, 
nebst den erwähnten Menschenrechten. 

Das fällt mitunter ziemlich schwer, 
man fühlt sich kraftlos, fühlt sich leer. 
Kein Wunder, denn so ist das eben; 
was man nicht hat, kann man nicht geben. 

Drum will uns Gott zur Quelle lenken, 
er ist bestrebt, uns zu beschenken 
mit Leben, welches alles wendet, 
ein Ziel hat und das niemals endet; 
mit Frieden, auch in schweren Stunden 
und nicht an Umstände gebunden; 
mit Freiheit und mit andern Gaben, 
damit wir alle etwas haben, 
um es mit anderen zu teilen, 
zu trösten, helfen und zu heilen. 

Um uns dies alles zu bescheren 
und seine Wesensart zu lehren, 
hat Gott vor langer Zeit uns schon 
beschenkt mit Jesus, seinem Sohn. 

Gleich bei der Ankunft seinerzeit, 
gibt’s Ärger mit der Obrigkeit. 
Herodes, seines Zeichens König, 
hält von Rivalen reichlich wenig. 
Deshalb beschließt er, mittels Waffen, 
den Neuling aus der Welt zu schaffen. 

Um sich Herodes zu entziehen, 
muss die Familie schnellstens fliehen. 
Maria, Josef und das Kind 
urplötzlich ohne Wohnsitz sind. 
Asyl, wie später man erfährt, 
wird vom Ägyptervolk gewährt. 

So ist nun Jesus, strenggenommen, 
als Flüchtling in die Welt gekommen. 
Auch später war er meistens bloß 
auf Wanderschaft und wohnsitzlos. 
Das heißt, dass Jesus, wie man sieht, 
Erfahrung hat auf dem Gebiet. 

Noch heute, das ist mein Gefühl, 
bewirbt sich Jesus um Asyl. 
Ich mein es ernst, das ist kein Scherz, 
er sucht‘s bei uns, in unsrem Herz. 
Er drängt sich uns gewiss nie auf; 
geduldig wartet er darauf, 
dass, wenn die Weihnachtslieder klingen, 
wir wirklich meinen, was wir singen: 
„Komm‘, oh mein Heiland, Jesus Christ, 
mein’s Herzens Tür dir offen ist.“

Hans Elwert